mittelpunkt-Lesung 12. Juni 2009 in Mannheim



Margitta Krug

Margitta Krug lebt in der Lebensgemeinschaft Münzinghof , in der Nähe von Nürnberg.

Mit 18 Jahren hat sie in einer Groß-Bäckerei als Lehrling zur Bäckerei-Hilfskraft gearbeitet. Sie ist 29 Jahre alt und wohnt seit 5 Jahren auf dem Münzinghof.



„Marinas Erfahrungen mit Arbeit“

Marina hat zweieinhalb Jahre in der Bäckerei gearbeitet, sie war damals 18 Jahre alt. In der Bäckerei hatte sie das Gefühl, nur zum Putzen und Aufräumen für Vorarbeiter da zu sein und Arbeiten zu machen, die keiner machen wollte. Ihr Chef dachte fast nur ans Geld. Sie hatte manchmal das Gefühl, ausgelacht zu werden, wenn sie manche Sachen nicht verstehen konnte und immer wieder fragen musste. Sie hatte das Gefühl, andere manchmal zu nerven, und dass die Leute nicht so viel Geduld aufbringen, wie sie brauchte, z.B. wenn sie einen schlechten Tag hatte, oder bei zu viel Stress konnte sie nicht arbeiten. Später arbeitete sie als Beiköchin in der Großküche.
Es war schwierig, weil sie am Schluss der einzige Lehrling war, die anderen hatten noch mehr Probleme mit Drogen und Schlägereien. In der Bäckerei wurde sie gemobbt. auch war es ihr zu viel, wenn sie manchmal von 4h bis 14:30h arbeiten musste oder an Weihnachten oder Ostern, wo sie schon um 12:00 Uhr anfangen musste, oder wenn jemand länger krank war. Außerdem hatte sie mitbekommen, dass Arbeitskollegen magersüchtig wurden. Bei zu viel Stress konnte sie ihre Arbeit, wie Toastbrot und Baguette abpacken, nicht schaffen, weil sie zu viel Zeitdruck hatte.

Aber es war gut, dass ihre Arbeitskollegin sie immer daheim abholte und mit zur Arbeit nahm, da sie keinen Führerschein hatte. Ihr gefielen in der Bäckerei die gemeinsamen Pausen und sie freute sich, dass es Arbeitskollegen gab, die ihr halfen und sie nach der Arbeit mit nach Hause nahmen. Der Hausmeister war lustig, mit dem konnte sie immer lachen. Außerdem bekam sie einmal in der Woche frisches Brot und jeden Tag 5 Brötchen mit nach Hause. Am Samstag war es besonders, da gab es auch Fleischsalat oder Sülze.
Mit 24 Jahren zog Marina zum Münzinghof. Auch am Münzinghof findet es Marina manchmal schwierig, weil manche Praktikanten zu jung sind und manchmal sagen, dass sie zu dumm zum Käse einpacken sei, nur weil sie nicht die Geduld oder Zeit haben und sie auch manchmal der Situation nicht gewachsen sind. Wenn sie jemand unter Druck setzt, wird sie traurig, hat Angst, sie ist dann nicht glücklich, sondern unausgeglichen.
Es gibt Bewohner, die immer für sie da sind, z.B. Birgit, aber manch ärgern sie auch, dann hat sie Angst. Es gibt auch Bewohner, die sie behindern, wenn sie sich beim Kiosk vordrängen oder auch bei der Sonntagsfeier, wenn sie langsamer ist als andere. Manchmal muss sie mehrmals fragen, bis sie etwas Schwieriges versteht, z.B. in der Käserei beim Wechseln der Wagenrolle.

Sie weiß, dass sie gut Kochen, Sprechen, Schwimmen und Radfahren kann, sie kann anderen gut zu hören und Schwächeren helfen. Sie arbeitet im Dorf- und Werkstattrat mit, es macht ihr Spaß, an der Schreibwerkstatt, am Kulturkreis teilzunehmen. Sie macht das Frühstück, legt die Wäsche und ist eine engagierte Mitarbeiterin. Sie reitet gern und liest Stern. Aber es fällt ihr schwer, Meinung zu sagen. Weil sie ein Leben lang alles wiederholen muss. Das ist schwer!

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