Buchtipps



Kinder- und Jugendbücher


Wir übernehmen keine Gewähr für die einzelnen Angaben. Eventuell können aufgeführte Titel zwischenzeitlich vergriffen sein.


Der Sommer mit Alfred

von Jan Slepian

Dressler Verlag; 2004; gebunden; 12 Euro; ISBN: 3791519530

Jugendbuch

Rezension:
Im New York des Jahres 1937 finden vier ungleiche Teenager durch den Bau eines eigenen Bootes zu einer ehrlichen und ungewöhnlichen Freundschaft zusammen.
Myron ist der Initiator dieser Aktion. Er möchte endlich frei sein von den Anforderungen seiner weiblichen Familienmitglieder, die ihn als einen Ersatz seines verstorbenen Vaters unendlich fordern. Der wie eine Marionette von seiner Mutter dirigierte 14jährige mit Cerebralparese lebende Lester wird durch diese Freundschaft selbständiger, selbstsicherer und selbstbewusster. Alfred, der mit geistiger Retardierung und körperlicher Behinderung lebt, scheint mit sich im Einklang zu sein. Er kann ganz im Hier und Jetzt aufgehen, zufrieden mit seinem So-Sein und seinen Interessen. Als vierte im Bunde findet sich der lockere, vorurteilsfreie Energieblitz Claire mit ihren sportlichen Ambitionen und ihrem Faible für Geschichten im Bau-Keller ein. Einem wunderbaren Sommer zu viert steht nichts mehr im Wege.
In einigen Kapiteln wechselt die Erzählperspektive hin zu Lester, der messerscharf seine Person, die Beziehung zu seiner Mutter und zu seinem Umfeld mit einer Prise Sarkasmus beschreibt. Insgesamt gelingt der Autorin eine sehr gute, glaubwürdige, authentische und niemals voyeuristische Darstellung ihrer Personen, eingebettet in eine eloquent dargebotene Handlung, die eintauchen lässt in diese Welt der Jugendlichen.
Es finden sich kaum Kinder- und Jugendbücher, die so authentisch und empathisch die Gedanken, Gefühle, Handlungen und Erlebnisse von Jugendlichen mit Behinderung wiedergeben und dabei auch noch einen hohen Unterhaltungswert haben.
Gelebte Integration, ohne aufgesetzt oder appellativ zu sein.
D. Wolf-Stiegemeyer (www.muetter.besondere-kinder.de)


Schlafanzug und Schokotorte

von Jacqueline Wilson

Erika Klopp Verlag, Hamburg; 2003; 128 S.; Geb.;
7,90 Euro; ISBN 3-7817-2410-7

Kinderbuch; ab 8 Jahren

Rezension:
Daisy ist glücklich in ihrer neuen Schule Freundinnen gefunden zu haben. Mit ihnen bildet sie den ABCDE-Geheimclub.
Amy ist die erste der fünf, die zu einer Übernachtungs-Geburtstags-Party einlädt. Jede Feier bietet kleine Höhepunkte und Besonderheiten. Als letzte hat Daisy Geburtstag und ist sehr besorgt, wie Amy, Bella, Chloe und Emily auf ihre mit schwerer Behinderung lebende 11-jährige große Schwester Lilly reagieren werden. Ein ganz besonderes Problem könnte hierbei die verwöhnte Chloe mit ihren ständigen Gemeinheiten gegenüber Daisy werden. Kein Wunder, dass Daisys Übernachtungsparty so manche Überraschung bereithält.
Daisy ist die Ich-Erzählerin, die die Leserin ihre Erlebnisse und Gefühle hautnah miterleben lässt. Ergänzt wird diese unterhaltsame Erzählung durch die gelungene farbige Illustration von Giulia Orecchia, die Daisys Schilderungen wirkungsvoll unterstreicht.
Ein ansprechendes, kurzweiliges Buch für Mädchen ab 8 Jahren, das altersgerecht die Lebenswelt, Interessen und Sorgen von 2./3.-Klässlerinnen wiedergibt und zusätzlich noch die spezielle Situation der mit Behinderung lebenden großen Schwester authentisch, sensibel und offen integriert.
D. Wolf-Stiegemeyer (www.muetter.besondere-kinder.de)


Anton oder Die Zeit des unwerten Lebens

von Elisabeth Zöller

Fischer Schatzinsel Frankfurt, 2004, Gebunden, 224 S. ,
EUR 12,90; ISBN: 3596851564

Rezension:
Die Autorin führt den Leser in die Stadt Münster zur Nazi-Zeit. Nach einem Unfall als Kleinkind lebt der 1932 geborene Anton mit der Lähmung seines rechten Armes und einer Sprachauffälligkeit.
Eindringlich und spannend erzählt, taucht der Leser bereits nach wenigen Seiten in eine Welt ein, von der er schon viel gehört und gelesen hat, aber selten die Atmosphäre und das Geschehen bis zum Kriegsende in einer solchen Dichte regelrecht miterlebt.
Der Leser ist Gast in der Schule, hört Rassenkunde ab, sieht vom Fenster aus den Verwüstungen der Reichs-Kristall-Nacht zu, weiß den Wert von zwei Glasmurmeln zu schätzen, sitzt verschreckt im Luftschutzbunker, ist Zeuge von Misshandlungen, beobachtet Anton, wie er mutterseelenallein mit seinem Teddy die Luftangriffe im Dunkeln des Kartoffelkellers durchstehen muss und lernt Unmenschlichkeit und Anteilnahme kennen. Betroffen, gelähmt, ängstlich und hilfos wird er in den Sog der Geschehnisse der damaligen Zeit hineingezogen. Viele Alltagsdetails komplettieren diesen spannenden Roman um den Onkel der Autorin zu einem ausgesprochen wertvollen, eindringlichen Zeitzeugnis.
Ein Roman für ein Lese-Wochenende für Jugendliche und Erwachsene. Ergreifend, erschütternd, tiefgründig, spannend, wertvoll und unbedingt lesenswert.
D. Wolf-Stiegemeyer (www.muetter.besondere-kinder.de)

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