Einrichtungen für anthroposophische Heilpädagogik und Sozialtherapie


Siehe einzelne Rubriken.

Interesse an Ausbildung, Praktikum, Freiwilligendienst oder Job: siehe Freiwillig / Arbeit / Ausbildung

Sie suchen einen Platz für Ihre Tochter / Ihren Sohn? 
Bitte fragen Sie in der Beratungsstelle nach.

 

Foto: Föhrebühl

Karl-Schubert-Werkstätten


Anthroposophische Heilpädagogik und Sozialtherapie


Anthroposophische Heilpädagogik und Sozialtherapie hat zum Ziel, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderungen eine individuelle leibliche, seelische und geistige Entwicklung zu ermöglichen, ihnen zu einem Leben in Würde und Selbstbestimmung zu verhelfen, die Integration in die menschliche Gemeinschaft und Gesellschaft zu fördern und ihren Beitrag für die Gesellschaft sichtbar werden zu lassen.

Wie wir Menschen mit Behinderung gegenübertreten, hängt immer von den Grundüberzeugungen und den anthropologischen Perspektiven ab, an denen sich unsere Haltungen und Handlungsweisen orientieren. Behinderung erscheint so immer in einem bestimmten sozialen Kontext, und sie kann durch diesen verstärkt oder gemindert werden. Soziale Integration als Prozess der Überwindung von Behinderungen gehört damit zu den grundlegenden Aufgaben der Heilpädagogik und Sozialtherapie.

Dem Menschenverständnis der Anthroposophie, die Anfang des 20.Jahrhunderts von Rudolf Steiner entwickelt wurde und seither in vielen Lebensgebieten fruchtbare Erkenntnisse, Methoden und praktische Anwendungen hervorgebracht hat, liegt die Frage zugrunde, wie die Entwicklung des einzelnen Menschen wirksam unterstützt und gefördert werden kann. Die heilpädagogischen und sozialtherapeutischen Methoden der anthroposophischen Menschenkunde führen zu einem individuellen Bildungsweg, der diese Aufgabe soweit wie möglich realisieren hilft. Er umfasst eine spezifische Diagnostik und therapeutische Prozesse mit unterschiedlichen Angeboten und Maßnahmen. Dazu gehören die individuelle, soziale und kulturelle Gestaltung der Lebensverhältnisse, die therapeutische und medizinische Unterstützung und – je nach Lebensalter – Angebote zur Erfahrungsbildung durch Spiel oder Schule oder durch die Entwicklung von Arbeitsmöglichkeiten. Grundsätzlich ist heilpädagogische und sozialtherapeutische Arbeit eine komplexe Aufgabe in einem interdisziplinären Kollegium, das – je nach Möglichkeit – heilpädagogische, therapeutische, künstlerische und medizinische Berufe vereinigt.

Die Wertschätzung und Achtung vor den Entwicklungsbedingungen jedes einzelnen Menschen und die Erkenntnis und Förderung seines individuellen Potentials bilden die Grundlage für die verschiedenen heilpädagogischen und sozialtherapeutischen Angebote. Entwicklungsfähigkeit ist eine Eigenschaft jedes Menschen, unabhängig von den Erschwernissen, die zu seinem Leben gehören. Diese können vielmehr als Ausdruck für seine individuellen Lebensaufgaben gesehen werden, zu deren Bewältigung er die Unterstützung, Anregung und das Verständnis seiner mitmenschlichen Umgebung braucht. Insofern ist der Entwicklungsbegriff der anthroposophischen Heilpädagogik und Sozialtherapie nicht auf leibliche und seelische Prozesse begrenzt. Er schließt einen individuell-geistigen Evolutionsgedanken ein, nach dem sich die Persönlichkeit des Menschen nicht ausschließlich aus hereditären und sozialen Bedingungen herleitet, sondern vor allem als Ausdruck eines individuellen geistigen Entwicklungsstrom verstanden werden kann, der bereits vorgeburtlich der psychisch-seelischen Gestaltbildung vorausgeht. Behinderung kann dadurch jenseits von Defektorientierung oder Schuldzuweisung verstanden werden. Sie bildet als lebensgeschichtliche Aufgabe den Ausgangspunkt für die Integration der biographisch bedeutsamen Erfahrungen und Entwicklungen in das Leben jedes einzelnen Menschen.

Im Hinblick auf die Gestaltung der Lebensverhältnisse werden auch neue Wege in der Gestaltung der Sozialformen gegangen, die ein gleichberechtigtes Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderungen ermöglichen. In der sozialen Dimension zeigt sich das Leben als ein Geben und Nehmen von Menschen unterschiedlicher Fähigkeiten und Begrenzungen, und es kann ein Gemeinwesen gestaltet werden, in dem die sonst sozial trennenden und stigmatisierenden Merkmale von Behinderung überwunden werden können.

Der Begriff Seelenpflege

In der anthroposophischen Heilpädagogik und Sozialtherapie wird der Begriff oder die Bezeichnung verwendet. Um in der heute allgemein gebräuchlichen Terminologie zu bleiben, wird im vorliegenden Handbuch die Bezeichnung gebraucht.

Der Begriff der ist auf ein positives Verständnis von Behinderung orientiert, denn noch immer sind die meisten Bezeichnungen für Menschen mit Behinderungen defektorientiert: Sie werden als geistig behindert, bildungsschwach, lernbehindert, verhaltengestört usw. bezeichnet. In den Einrichtungen der Heilpädagogik und Sozialtherapie auf anthroposophischer Grundlage, hat sich schon seit Jahrzehnten der Begriff eingebürgert. Er richtet sich nicht auf Defizite oder Defekte, sondern in erster Linie auf die seelisch-geistige Entwicklungsfähigkeit jedes Kindes, Jugendlichen oder Erwachsenen. Mit dieser Begriffswahl wird eine diskriminierende Bezeichnung und Abgrenzung vermieden, denn seelisch entwicklungsfähig, aber auch entwicklungsbedürftig ist im Grunde jeder Mensch. Wenn man dies bedenkt, kommen weder falsches Mitleid noch Abschätzigkeit auf, sondern der Blick fällt auf die individuellen Stärken und Schwächen, die Menschen in leiblicher und seelisch-geistiger Weise voneinander unterscheiden, und auf die möglichen und notwendigen Hilfen, die Menschen benötigen, wenn sie in ihrer Entwicklung in verstärktem Maß auf die Hilfe anderer angewiesen sind. ■

Auszug aus dem „Handbuch für Ausbildungen in Heilpädagogik und Sozialtherapie"


Was sind Camphill-Einrichtungen?

Siehe www.freundeskreis-camphill.de

 |  Seite per eMail  |  Kontakt  |  Impressum  |  © 2014 Bundesvereinigung Selbsthilfe im anthroposophischen Sozialwesen e.V.