Bioethik im Gespräch



Artikel aus dem Jahr 2007


Informationen zusammengestellt von Martha Eikemeier, Tübingen

  


Kurz und Aktuell: 2007

5.01.07: Die das Institut Mensch, Ethik und Wissenschaft (IMEW) in Berlin tragenden Verbände senden eine „Stellungnahme zum Entwurf eines Gesetzes über Qualität und Sicherheit von menschlichen Geweben und Zellen (Gewebegesetz)“an die Fraktionsvorsitzenden des Bundestages und die Mitglieder des Gesundheitsausschusses. Sie fordern ein Verbot der Kommerzialisierung von menschlichen Zellen, Geweben und Organen und sie kritisieren eine neue Regelung, nach der Knochenmarkspenden von Minderjährigen und nicht einwilligungsfähigen Menschen auf Familienmitglieder ermöglicht würde. Die rechtspolitischen Gefahren für den Schutz der Rechte von Minderjährigen und nicht einwilligungsfähigen Erwachsenen bezeichnet die Stellungnahme als nicht tragbar. In Briefen an dieselben Adressaten unterstützt die BEV das Anliegen der IMEW-Verbände. (s. Stellungnahme des IMEW; Word, 30kB)

8.01.07: Das Fachjournal Nature Biotechnology berichtet, dass es amerikanischen Forschern gelungen ist, aus dem Fruchtwasser von Müttern vor oder während der Geburt Stammzellen zu gewinnen, die sich wie embryonale Stammzellen in zahlreiche verschiedene Zelltypen verwandeln können. Die Wissenschaftler konnten Vorläuferzellen von Fett-, Muskel-, Knochen-, Nerven- und Leberzellen heranwachsen lassen. Man hofft nun, dass, wenn das Verfahren sich bewährt, ein ethisch unproblematischer Weg zur Herstellung von Stammzelllinien gefunden wurde.

9.01.07: Nachdem bekannt geworden ist, dass in Seattle/USA einem neunjährigen schwerbehinderten Mädchen Brustdrüsen und Gebärmutter entfernt und ihm hohe Dosen Östrogen verabreicht wurden, verurteilt der Tübinger Moraltheologe Dietmar Mieth diese Behandlung aufs schärfste. Die Eltern und Ärzte des Kindes wollten die Pubertät vermeiden und so seine Pflege erleichtern. „Nach Ansicht des Moraltheologen muss zwischen Verständnis für die Eltern und Zustimmung zu den medizinischen Eingriffen unterschieden werden. Mieth mahnte, Politik und Gesellschaft dürften Eltern behinderter Kinder ‚nicht in eine isolierte Verantwortung zwingen’ und sie den Möglichkeiten der Medizin überlassen. Nach Überzeugung des Moraltheologen muss der Sozialstaat ein Umfeld schaffen, in dem sich die Frage nach einer Behandlung wie im Fall Ashley erst gar nicht stellt.“
(www.1000fragen.de > Aktuell)

17.01.07: Der Bundestags-Forschungsausschuss beschließt eine Expertenanhörung zur Stammzellforschung. Sie soll im Frühjahr stattfinden. Der Beschluss wird damit begründet, dass es die ureigene Aufgabe des Parlamentsausschusses sei, möglichen Veränderungsbedarf an der Gesetzeslage auszuloten. Seitdem die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) am 10.11.06 eine Revision des Stammzellgesetzes gefordert hat, hält die Kontroverse für bzw. gegen eine Änderung des Gesetzes in der Bundesregierung, unter Parlamentariern und Vertretern der Kirchen an. Auch der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BKPI) äußerte sich zu diesem Thema (am 22.11.06). Im Gegensatz zum bisherigen Präsidenten der DFG, Ernst-Ludwig Winnacker, und auch zur Vorsitzenden des Nationalen Ethikrates, Kristiane Weber-Hassemer, sieht der Verband keine Notwendigkeit für eine Änderung des Stammzellgesetzes. Er wirft Forschern vor, die Öffentlichkeit in die Irre geführt zu haben, indem sie aus Eigeninteresse falsche Erwartungen für die Entwicklung neuartiger Medikamente geweckt hätten.

29.01.07: Nach einer in Paris veröffentlichten Untersuchung des Instituts für demografische Studien INED gehen bei 25 bis 50 Prozent aller Todesfälle in Westeuropa lebensverkürzende Maßnahmen von Ärzten voraus. Todesfälle in Italien, Schweden, Belgien, Dänemark, den Niederlanden und der Schweiz wurden untersucht. Die Autoren halten gesetzliche Klarheit für erforderlich um zu verhindern, dass bewusst Schmerzmittel zur Lebensverkürzung eingesetzt und als Alternative zu aktiver Sterbehilfe angesehen werden.

1.02.07: Der Nationale Ethikrat veröffentlicht seine Stellungnahme zur Nutzung prädiktiver Gesundheitsinformationen beim Abschluss privater Personenversicherungsverträge. Danach „bedarf es nicht zwingend einer umfassenden gesetzlichen Regelung für Gentests. Die Rechtsprechung kann durch Interpretation bestehenden Rechts im Sinne der Empfehlungen wirken.“ Der Ethikrat lobt die Selbstverpflichtung der Versicherungswirtschaft, genetische Tests bis Ende 2011 nicht zu berücksichtigen. Zu Arbeitsverträgen hatte sich der Nationale Ethikrat bereits im August 2005 geäußert und gefordert, dass der Umgang mit Gentests in einem Gendiagnostikgesetz geregelt werden müsse. (s. unter www.ethikrat.org/stellungnahmen/pdf/Stellungnahme_PGI_Versicherungen.pdf)

23.02.07: Die Schweiz verabschiedet ein Gentestgesetz, wonach Versicherungen weder Gentests verlangen noch die Ergebnisse bereits vorliegender Tests erfragen dürfen. Ausnahmen gibt es für Lebens- und Unfallversicherungen mit sehr hohen Prämien. Arbeitgeber dürfen in Einzelfällen zur Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten Gentests von Arbeitnehmern fordern. Eine Expertenkommission muss die Ausnahmen von der Regel bewilligen.

27.02.07: Der Bund der „Euthanasie“-Geschädigten und Zwangssterilisierten fordert das Parlament auf, das nationalsozialistische „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ endlich zu ächten und die Betroffenen zu rehabilitieren. Während der NS-Zeit wurden 400.000 Menschen zwangssterilisiert und 300.000 Menschen im Zuge der Euthanasie-Verfahren ermordet.

8.03.07: Der Regierungsentwurf zum Gewebegesetz (Gesetz über Qualität und Sicherheit von menschlichen Geweben und Zellen, BT Drs 16/3146) stößt bei der Expertenanhörung im Gesundheitsausschuss auf heftige Kritik von vielen Seiten. Da das Gesetz den Umgang mit entnommenen Zellen und Geweben dem Arzneimittelgesetz unterstellt, wird befürchtet, dass es zu einer Kommerzialisierung von Teilen des menschlichen Körpers kommen wird. Kritisiert wird in einer Reihe von Stellungnahmen auch die neue Regelung, nach der Knochenmarkspenden auch von Minderjährigen und nicht einwilligungsfähigen Erwachsenen auf Familienmitglieder 1. und 2. Grades erlaubt sein werden. Die Verbände des Instituts Mensch, Ethik und Wissenschaft, Berlin hatten schon im Januar 2007 in einer Stellungnahme den Entwurf abgelehnt. Mit Briefen an die Mitglieder des Gesundheitsausschusses und die Fraktionsvorsitzenden des Bundestages unterstützte der Vorstand der BEV die Position der IMEW-Verbände. (Hier Download Stellungnahme der IMEW-Verbände als pdf, 369 kB)

21. 03. 07: Der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Klaus Vater, erklärt, dass im Mai ein überarbeiteter Regierungsentwurf für ein Gewebegesetz vorgelegt werden wird.

26.03.07: Die Koalitionsfraktionen und das Bundesforschungsministerium einigen sich darauf, dass im Sommer der neue Deutsche Ethikrat den Nationalen Ethikrat ablösen soll. Es wird keine direkte Mitwirkung von Bundestagsabgeordneten geben. Diese Forderung von Opposition und Teilen der Koalition konnte sich nicht durchsetzen. Die 24 externen Fachleute werden von Bundesregierung und Parlament benannt. Ein neunköpfiger Parlamentarischer Beirat soll die Wünsche des Bundestages an den Ethikrat weiterleiten. Der nun in einigen Punkten geänderte Gesetzentwurf der Forschungsministerin Schawan war bei der ersten Lesung im Bundestag im November 2006 auf Kritik gestoßen.

27.03.07: Wie schon einmal im Januar dieses Jahres warnt der Präsident der Ärztekammer Jörg-Dietrich Hoppe vor überzogenen Erwartungen an Patientenverfügungen. Bei der Vorstellung neuer Empfehlungen der BÄK und der Ethikkommission der BÄK zum Umgang mit Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung kritisierte er die öffentliche Debatte als einseitig. Die Politik brauche kein Gesetz zu verabschieden, sie solle vielmehr für praktikable Verfahrensvorschriften sorgen. Ein Gesetz kann, nach Ansicht des BÄK-Präsidenten, sogar zu einem stärkeren Druck in Richtung Sterbehilfe führen. Man könne Ärzte aber nicht verpflichten, gegen den ärztlichen Auftrag und das eigene Gewissen zu handeln.

28.03.07: Der Bundestag debattiert über eine gesetzliche Regelung von Patientenverfügungen. Zwei noch nicht in den Bundestag eingebrachte Vorlagen werden von jeweils ca. einem Drittel der Abgeordneten unterstützt. Dabei geht es vor allem um die Frage, inwieweit Ärzte und Angehörige an Verfügungen gebunden sind, wenn sich der Patient selbst nicht mehr äußern kann.
Bundesjustizministerin Zypries setzt sich für eine unbeschränkte Gültigkeit von Patientenverfügungen ein, d. h. dass auch dann, wenn die Krankheit noch nicht zum Tode führt, der Patientenwille gelten soll und eine Behandlung abgebrochen werden kann. Der Entwurf des SPD-Rechtsexperten Stünker sieht eine solche uneingeschränkte Geltung schriftlicher Patientenverfügungen vor. Ein Gruppenantrag von Abgeordneten aller Parteien plädiert für eine eingeschränkte Verbindlichkeit. Einzelne Parlamentarier aus allen Fraktionen – unter ihnen die frühere Justizministerin Herta Däubler-Gmelin – bezweifeln die Notwendigkeit und den Nutzen einer gesetzlichen Regelung. Gesetzentwürfe zum Thema Patientenverfügungen werden voraussichtlich im Mai dieses Jahres vorliegen.
Die Träger-Verbände des Instituts Mensch, Ethik und Wissenschaft, Berlin hatten zuvor schon den Fraktionsvorsitzenden eine Stellungnahme zugesandt, in der sie die Befürchtung zum Ausdruck bringen, dass kranke und behinderte Menschen in der Diskussion um Patientenverfügungen abgewertet werden könnten:
„Mit besonderer Sorge sehen die Verbände, dass sowohl in der Diskussion über Patientenverfügungen als auch in Formulierungen, die in Patientenverfügungen verwendet werden, häufig ein Menschenbild vermittelt wird, das nur ein unabhängiges Leben im Vollbesitz körperlicher und geistiger Fähigkeiten als ‚lebenswert’ beschreibt. Ein solches Menschenbild enthält eine Geringschätzung eines Lebens mit Beeinträchtigungen bzw. eines Lebens in Abhängigkeit von anderen.“
(Hier Download der IMEW-Stellungnahme als pdf, 432 kB)

19.04.07: Öffentliche Veranstaltung des Nationalen Ethikrates (NER) zum Thema „Ethik aus Expertenhand? – Beratungsgremien im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik“ am 19. April 2007 in Freiburg. Bericht hier zum Download als pdf

24.04.07: In einer seiner letzten Stellungnahmen fordert der Nationale Ethikrat den Bundestag zu einem Kurswechsel bei der Organspende auf. Er schlägt ein Stufenmodell vor, bei dem zunächst der Staat in einem förmlichen Verfahren alle Bürger auffordern müsse, sich zu erklären, ob sie einer Organspende zustimmen oder sie ablehnen. Die Erklärung könne im Führerschein oder in der Krankenversicherungskarte gespeichert werden. Die Krankenhäuser sollen vom Gesetzgeber in die Pflicht genommen werden, ihrer Meldepflicht über mögliche Organspender nachzukommen. Die Bundesärztekammer äußert sich skeptisch über die vom Nationalen Ethikrat vorgeschlagene Einführung einer Widerspruchslösung.

25.04.07: Wie zuvor die EU-Kommission lehnt auch das Europaparlament strenge Ethik -Bestimmungen in einer EU-Verordnung ab, welche einheitliche Zulassungsregeln für Produkte der Gewebe-, Zell- und Gentherapie festlegen soll. Auch der Staatssekretär am Bundesgesundheitsministerium, Klaus Theo Schröder, schließt sich der Meinung an, dass der Bereich Ethik nicht auf EU-Ebene zu regeln sei. Diese Haltung der Bundesrepublik kritisiert u. a. die EU-Parlamentsabgeordnete und Berichterstatterin im Rechtsausschuss Hiltrud Breyer in einem offnen Brief an Angela Merkel. Christdemokratische und grüne Abgeordnete hatten vor Missbrauch gewarnt, wenn die Vermarktung des menschlichen Körpers und seiner Teile nicht ausgeschlossen werde.

09.05.07: Bei einer Anhörung des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung zur Stammzellforschung spricht sich eine Mehrheit der Experten für eine Liberalisierung der Gesetzeslage aus. Forscher aus Medizin und den sog. Lebenswissenschaften fordern eine Überarbeitung des Stammzellgesetzes vom Jahre 2001. In Deutschland ist Forschung verboten, bei der Embryonen zerstört werden. Das Stammzellgesetz erlaubt jedoch die Forschung mit vor dem Stichtag (1. Januar 2001) im Ausland hergestellten Stammzelllinien. 21 Forschungsanträge wurden bisher genehmigt. Der für die Einfuhr von embryonalen Stammzellen festgesetzte Stichtag soll nach Meinung von Forscher und Juristen fallen und die Strafbarkeit von Forschung im Ausland an nach dem Stichtag hergestellten Zellen aufgehoben werden. Dass es nicht nur unter Ethikern und gelegentlich unter Juristen, sondern auch unter den Forschern kritische Stimmen zur Stammzellforschung gibt, zeigt die Stellungnahme des Molekularpathologen und Krebsforschers Lukas Kenner von der Universität Wien, der selbst mit embryonalen Stammzellen der Maus arbeitet, die Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen – ganz im Gegensatz zu der vielversprechenden mit adulten – als überflüssig, für Therapien nutzlos und ethisch nicht zu verantworten erachtet. Seine lesenswerte Stellungnahme findet man unter
www.bundestag.de/ausschuesse/a18/anhoerungen/stammzellforschung/stellungnahmen/193s.pdf

24.05.07: Der Bundestag verabschiedet ein Gewebegesetz. Nach massiver Kritik von vielen Seiten war der Entwurf im Gesundheitsausschuss in über 50 Punkten abgeändert worden. Kritisiert worden war die Unterstellung des Umgangs mit Zellen und Geweben unter das Arzneimittelgesetz mit der damit verbundenen Kommerzialisierung von Teilen des menschlichen Köpers. Das Gesetz sieht nun vor, dass nicht industriell bearbeitetes Gewebe, Keimzellen und fötales Gewebe von der Vermarktung ausgeschlossen bleiben. Kontrollen der Einhaltung oder Sanktionen bei Übertretung der Verbote sind nicht vorgesehen. Als wichtig erachtet wird auch der jetzt vorgesehene Vorrang von Organ- gegenüber Gewebetransplantationen.
Als Erfolg feiern dürfen Behindertenorganisationen und auch die Trägerverbände des IMEW die aufgrund ihrer Stellungnahmen erfolgte Streichung des Passus über Rückenmarksspenden von nicht einwilligungsfähigen Personen. Sie sahen in der Zulassung einen Türöffner für weitergehende Eingriffe an nicht einwilligungsfähigen Personen – auch für Eingriffe zu Forschungszwecken. Die BundesElternVereinigung beteiligte sich an den politischen Aktionen mit Briefen an die Vorsitzenden und Behindertenbeauftragten der Fraktionen und an die Mitglieder des Gesundheitsausschusses.

4.06.07: Die österreichische Tageszeitung DER STANDARD berichtet in ihrer Online-Ausgabe, dass ein „Unterrichtsbehelf für Schulen mit dem Titel ‚Biomedizin: Die Genetik des Menschen’“ nach Protesten von Behindertenvertretern nicht ausgeliefert wird, weil behinderte Menschen „entwürdigend und tendenziös“ und genetisch bedingte Erkrankungen „tabellarisch als Grauslichkeiten dargestellt würden“. Ein Neudruck soll erst nach einer gründlichen Überarbeitung erscheinen.

6.06.07: Unter dem Titel „Forschungsutopie wird Wirklichkeit“ berichtet die FAZ über erfolgreiche Versuche an Mäusen, ausgereifte Körperzellen direkt in embryonale Stammzellen zurückzuverwandeln. Die Zellen mussten allerdings hochgradig genetisch verändert werden, um den Umwandlungsprozess zur embryonalen Stammzelle in Gang zu setzen. Trotzdem wird der Forschungserfolg als eine Sensation angesehen, weil in diesem Verfahren ein ethisch unbedenklicher Weg zu pluripotenten Stammzellen gesehen wird, vorausgesetzt allerdings, dass das Ziel ohne die Einschleusung von für Menschen gefährlichen Genen erreicht werden kann. Ministerin Schavan will noch vor der Sommerpause fünf Millionen Euro für ähnliche Forschungsarbeiten in Deutschland zur Verfügung stellen.

18.06.07: DER SPIEGEL berichtet unter der Überschrift „Späte Distanzierung“ über einen Artikel des österreichischen Biologen Karl Illmensee im Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie, Ausgabe 1/2007. Darin berichtet Karl Illmensee, er habe kürzlich einen geklonten menschlichen Embryo für ein unfruchtbares Paar in den Körper der Frau übertragen. Wann und wo das Experiment stattfand, ist nicht bekannt. Zu einer Schwangerschaft kam es nicht, aber über den Versuch und die Tatsache, dass der Bericht in einer anerkannten Fachzeitschrift publiziert werden konnte, entbrennt eine heftige Diskussion. Einen besonders guten Ruf scheint Illmensee nicht zu haben, wie DIE PRESSE (Wien) am 20.06.07 berichtet. Er hatte sich zuvor schon mit den berüchtigten Reproduktionsmedizinern Panos Zavos und Severino Antinori zusammengetan, um Menschen zu klonen.

18.06.07: Das Deutsche Ärzteblatt berichtet in seiner Online-Ausgabe, dass in Dänemark nach Einführung des nicht invasiven Screening auf eine Trisomie 21 die Zahl der mit einem Down-Syndrom geborenen Kinder um 50 Prozent zurückgegangen ist. In Dänemark wird seit September 2004 allen Schwangeren eine Ultraschalluntersuchung zur Nacken-Transparenz -Messung angeboten in Kombination mit einer Laboruntersuchung, die zwei serologische Risikofaktoren erfasst. „Häufigste Gründe für die Geburt eines Kindes mit Down-Syndrom trotz Screening waren eine ablehnende Haltung der Mutter zum Screening, ein Versagen der Risikokalkulation (Wert 1:300) oder eine späte Durchführung der Tests in der Schwangerschaft.“

2.07.07: Nach amtlichen Angaben haben niederländische Ärzte im Jahre 2005 in 2.207 Fällen aktive Sterbehilfe geleistet. Die Zahl von Fällen so genannter palliativer Sedierung. bei der Ärzte Sterbende in einen tiefen Schlaf versetzen und ihnen keine Nahrung und keine Flüssigkeit mehr zuführen, lag bei etwa 9.600. (s. www.1000fragen.de)

11.07.07: Die WirtschaftsWoche veröffentlicht einen lesenswerten Artikel zum Thema „Das Geschäft mit dem Wunschkind“, beginnend: „Die moderne Reproduktionsmedizin ist der Marktplatz eines schwunghaften Gefühlshandels. Die Grenzen zwischen Medizin und Lifestyle zerfließen, das Geschäft mit dem Wunschkind boomt, die Branche setzt weltweit Milliarden um.“ Und weiter unten lernt man, dass der Umsatz der Pharmabranche mit der künstlichen Befruchtung bei rund 1,2 Milliarden Dollar jährlich liegen dürfte. Die Reproduktionsmedizin habe sich zu einer „konsumorientierten Dienstleistung“ entwickelt. „Nicht das medizinisch Notwendige soll mehr geleistet werden, sondern das medizinisch Mögliche. Nicht mehr der Kinderwunsch soll erfüllt werden, sondern der Traum vom Wunschkind on time.“ (WirtschaftsWoche 28/2007, 11.07.2007)

16.07.07: Der Nationale Ethikrat veröffentlicht eine Stellungnahme zur Stammzellforschung. 14 der 24 Mitglieder wollen die im Stammzellgesetz von 2002 festgelegte Stichtagsregelung für den Import embryonaler Stammzellen aufheben. Die Strafandrohung für im Ausland mit Embryonenforschung befasste deutsche Wissenschaftler soll fallen, fordern sie. Neun Mitglieder des Nationalen Ethikrats befürchten im Falle einer Liberalisierung eine Aushöhlung des ethisch-moralischen Fundaments des Stammzellgesetzes. Ihrer Ansicht nach ist eine Nivellierung des Gesetzes schon deshalb nicht erforderlich, weil es bisher noch keine Therapien mit embryonalen Stammzellen gibt. Ein Mitglied schlägt eine Verschiebung des Stichtages auf ein jüngeres Datum vor. Nach Aussage von Rene Röspel wird die SPD im Herbst einen interfraktionellen Antrag auf Verschiebung des Stichtags stellen. (www.ethikrat.org/stellungnahmen/stellungnahmen.html)

20.07.07: Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt in einem Gespräch mit Journalisten in Berlin eine Änderung des Embryonenschutzgesetzes von 1990 ab, schließt aber eine Änderung des Stammzellgesetzes von 2002 nicht aus.

20.07.07: Das Wissenschaftsmagazin „Science“ berichtet, dass Embryonic Stem Cell Int (ESI), eine der nur drei Firmen, die therapeutische Anwendungen embryonaler Stammzellen versprechen, die Therapieforschung aufgibt, weil die Wahrscheinlichkeit kurzfristig erreichbarer Produkte auf Basis embryonaler Stammzellen verschwindend gering sei. Robert de Lanza, Präsident von Advanced Cell Technology in Worcester, Massachusetts, einem der beiden verbleibenden Forschungszentren, die noch Therapien mit embryonalen Stammzellen versprechen, kommentierte: „Was das Forschungsfeld dringend braucht, sind ein oder zwei Erfolgsgeschichten“. (www.sciencemag.org vom 20. Juli 2007)

05./06.09.2007: Die Human Fertilization and Embryology Authority in Großbritannien genehmigt Wissenschaftlern des King’s College London und der Universität Newcastle die Herstellung von Chimären. Menschliches Erbgut wird in Eizellen von Kühen bzw. von Kaninchen eingebracht werden, um aus den so entstandenen Mischwesen Stammzellen zu gewinnen.
Die Genehmigung sorgt für heftige Proteste im In- und im Ausland. Die Bundesärztekammer, SPD- und Grünen-Politiker und die Katholische Kirche lehnen diese Art der Forschung aus ethischen Gründen ab.
Die Grünen-Abgeordnete im Europaparlament, Hiltrud Breyer, wirft der Bundesregierung vor, sie habe es bei den Debatten um eine EU-Richtlinie zu neuen Therapien versäumt, Abgeordnete, die ein Verbot der Chimärenbildung durchsetzen wollten, zu unterstützen.

10.09.2007: Frauen, die bereit sind, die Hälfte Ihrer Eizellen der Forschung zur Verfügung zu stellen, zahlen im Newcastle Fertility Center in Zukunft nur den halben Preis für eine künstliche Befruchtung (etwa 2.100 anstelle von 4.200 Euro). Die notwendigen Mittel für den Preisnachlass stellt das britische Medical Research Council, eine der Deutschen Forschungsgemeinschaft vergleichbare Institution, zur Verfügung. Man hofft, auf diese Weise den Mangel an Eizellen von „hoher Qualität“, den die Klonforscher beklagen, zu beheben. (www.bionews.org.uk)

12.09.2007: Der Nationale Ethikrat beendet seine Arbeit.

15.09.2007: Professor Bodo-Eckehard Strauer von der Universitätsklinik Düsseldorf ist ein sensationeller therapeutischer Erfolg mit adulten Stammzellen gelungen. Er konnte einem de facto dem Tod geweihten Patienten mit kardiogenem Schock das Leben retten, indem er Stammzellen aus dem Knochenmark in die Infarkt-Arterie spritzte. Der Patient hatte zuvor sieben Wochen ohne jegliche Besserung seines Zustandes auf der Intensivstation gelegen. (Therapiebeschreibung in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift vom 21. September 2007)

20.09.2007: Vierzehn Organisationen und Initiativen appellieren an die Mitglieder des Deutschen Bundestages, das bestehende Stammzellgesetz nicht zu ändern. Nachdem sich die Heilungsversprechen, die mit der embryonalen Stammzellforschung verbunden werden, nicht erfüllt haben, sollten öffentliche Gelder verstärkt der ethisch unproblematischen und erfolgreichen adulten Stammzellforschung zugute kommen.

11.10.2007: Nachdem nun auch die FDP ihren Vertreter für den parlamentarischen Beirat zum künftigen Deutschen Ethikrat benannt hat, ist die Liste der Beiratsmitglieder vollständig.
Benannt sind von
CDU/CSU:
Ilse Aigner, Forschungspolitikerin (CSU)
Annette Widmann-Mauz, Gesundheitspolitikerin (CDU)
Jürgen Gehb, Jurist (CDU)
SPD:
Carola Reimann, Gesundheitspolitikerin
René Röspel, Bioethikexperte
Marianne Schieder, Juristin
Bündnis90/Die Grünen:
Priska Hinz, Stammzellexpertin
FDP:
Ulrike Flach, Forschungspolitikerin
Die Linke:
Petra Sitte, forschungspolitische Sprecherin

19.10.2007: Bundesforschungsministerin Annette Schavan spricht sich für eine Verschiebung des im Stammzellgesetz festgelegten Stichtags für die Einfuhr von embryonalen Stammzellinien aus.

11.10.2007: Um die Bedeutung der Palliativmedizin bei der Behandlung Schwerkranker und Sterbender zu betonen, benennt sich die Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz (BAG Hospiz) um in „Deutscher Hospiz- und PalliativVerband“ (DPHV)

22.10.2007: Die Schweizer Sterbehilfeorganisation Dignitas versucht, einen juristischen Präzedenzfall zu schaffen, mit dem erreicht werden soll, dass Sterbehilfe auch in Deutschland legalisiert wird. „Wir müssen jemanden finden, der selbst [sic!] und dessen Angehörige bereit sind, das Risiko der Strafverfolgung einzugehen“ sagte der Dignitas-Vorsitzende Ludwig Minelli. (www.aerzteblatt.de) Die Kosten der Verteidigung will die Sterbehilfeorganisation übernehmen. Dignitas hofft, die sterbewillige Person und ihre Angehörigen im Großraum Berlin zu finden, „weil der Einfluss der Kirchen als Hauptgegner der Sterbehilfe in Ostdeutschland nicht so groß sei.“ (Ärzteblatt)

09.11.07: Die BundesElternVereinigung unterstützt mit einem Brief an die Mitglieder des Forschungsausschusses und an die Fraktionsvorsitzenden des Dt. Bundestages die „Stellungnahme zur ‚Stichtagsdebatte’ in Bezug auf das Stammzellgesetz“ des Instituts Mensch, Ethik und Wissenschaft (www.imew.de). Die BEV ist davon überzeugt, dass das Stammzellgesetz von 2002 Grundlagenforschung ermöglicht und die von verschiedenen Seiten geforderte Verschiebung des im Gesetz festgesetzten Stichtags für die Einfuhr von embryonalen Stammzellen keinen Sinn ergibt. Während die adulte Stammzellforschung therapeutische Erfolge verzeichnen kann, konnten mit embryonalen Stammzellen auch in jenen Ländern keine Therapien entwickelt werden, in denen schon seit Jahren mit neueren Stammzelllinien gearbeitet werden darf.
Nachfolgend Downloads der Dokumente als pdf-Dateien:
Stellungnahme des IMEW
Brief von BundesElternVereinigung / Freundeskreis Camphill

Martha Eikemeier, Tübingen

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